Offener Brief an die Mitglieder des Stadtrates

Montag, 29. Juni 2009 |  Autor: efranzmann

Kölner Kulturschaffende setzen sich in einem Offenen Brief an die Mitglieder des Rates der Stadt Köln für die Realisierung der Akademie der Künste der Welt Köln ein. Im Anschreiben heißt es: “Wir haben den ungewöhnlichen Weg dieses Offenen Briefes bewusst gewählt. Eindringlich möchten wir Sie hiermit bitten, einer großen Idee und einer einmaligen Chance für unsere Stadt jetzt zu realisieren. Ihre Idee, der beschrittene Weg und das Ergebnis brauchen als letzten Schritt jetzt Ihre Zustimmung. Köln braucht diese Akademie. Diese Akademie braucht Sie.” Wir dokumentieren den Offenen Brief.

OFFENER BRIEF
an die Mitglieder des Rates der Stadt Köln

Plädoyer für die sofortige Gründung der Akademie der Künste der Welt, Köln

Sehr geehrte Mitglieder des Rates der Stadt Köln,

vor einem Jahr entstand in Ihren Reihen die Idee, für Köln eine Einrichtung zu schaffen, die den internationalen und interkulturellen Dialog der Künste fördert. Völlig nachvollziehbar hatten Sie im Sinn, dass eine Stadt wie Köln, die schon immer Menschen mit unterschiedlicher kultureller und religiöser Herkunft eine Heimat geboten hat, und noch heute bietet, ein entsprechendes kulturelles Angebot bereit stellen soll. Dies entspricht dem Anspruch der Stadt, eine internationale Metropole zu sein. Sie beauftragten mit überwältigender Mehrheit die Verwaltung, in einem partizipativen Prozess ein Konzept für eine neue Institution in diesem Sinne zu erstellen. Hierfür stellten Sie in den Haushalten 2008 und 2009 100.000 EUR und 140.000 EUR zur Verfügung.

Die Verwaltung hat in einem offenen und transparenten Prozess, unter großer Beteiligung von Künstlerinnen und Künstlern, im Bereich der Interkultur tätigen Initiativen, nationalen und internationalen Experten diesen Auftrag erfüllt: Sie schlägt die Gründung einer Akademie der Künste der Welt vor. Dieser Vorschlag ist in Köln und darüber hinaus fast einhellig begrüßt worden.

In der Ratssitzung am 30. Juni entscheiden Sie über das weitere Vorgehen und konkret darüber, ob es nur bei dieser Idee bleibt oder ob die Stadt, die als einzige Großstadt über keine Akademie (mehr) verfügt, eine solche erhalten wird. Wir plädieren für die sofortige Umsetzung.
Die Akademie der Künste der Welt, Köln erfüllt auf kluge Art die Vorstellungen, die Sie in Ihrem Antrag vor einem Jahr formuliert haben:
Die Akademie soll europäische und außereuropäische Künstlerinnen und Künstler von Rang an Köln binden und sie für Diskurse und Veranstaltungen mindestens einmal jährlich nach Köln holen.

Sie wird maximal zwanzig internationale Stipendiaten haben, die die Stadt intellektuell bereichern und einen Dialog mit den hiesigen Künstlerinnen und Künstlern eingehen werden. Ein Projekttopf steht allen Künstlerinnen und Künstlern offen, die Veranstaltungen mit internationalem, insbesondere aber außereuropäischen Akzent und auf hohem Niveau zusammen mit der Akademie anbieten. Die Tatsache, dass die Akademie kein eigenes Haus haben wird, sondern Gast in bestehenden Einrichtungen sein wird, stärkt bestehende Strukturen. Die Akademie würde Köln internationalisieren, das Kunstangebot verbreitern, ohne dass es der unterfinanzierten Szene etwas wegnimmt. Die Akademie wäre ein wichtiges Zeichen, dass Köln als Kunststadt noch vital ist, dass Interkultur in dieser Stadt kein politische Schlagwort, sondern gelebte Normalität geworden ist. Wir können froh sein über diesen guten Vorschlag und sollten uns gemeinsam für seine sofortige Realisierung einsetzen!

Dies gilt vielleicht gerade wegen der uns allen bekannten Wirtschafts- und Haushaltskrise. Denn die Krise bietet für die Positionierung der Kunststadt Köln eine Chance: Köln ist nicht Kulturhauptstadt 2010 geworden. Aber Köln würde für 2010 ein viel stärkeres Zeichen setzen, wenn die Stadt gegen den Trend nicht bei den Kulturausgaben kürzt, sondern innovative Ideen, wie die Akademie der Künste der Welt, umsetzt.

Mit Blick auf die Ratssitzung am 30. Juni plädieren wir dafür:
Beschließen Sie am 30. Juni die sofortige Gründung der Akademie.
Stellen Sie zugleich die notwendigen zusätzlichen Haushaltsmittel bereit.
Wir bitten darum:
- gehen Sie keinen falschen Kompromiss ein (“weniger Geld tut es auch“),
- verschieben Sie die finanzielle Entscheidung nicht auf bessere Zeiten,
- folgen Sie nicht dem Scheinargument, eine Entscheidung kann bis zur Haushaltsberatung warten – dann ist die hervorragende Idee tot und eine Chance vertan.

Wer sich heute zur Kulturstadt Köln bekennt, wird morgen selbst davon profitieren.

Unterzeichnet von:
Kölner Theaterkonferenz e.V.
Der Kölner Komment
Das Kulturnetz Köln
Initiativkreis Kultur & Migration (Bühne der Kulturen)
sowie Professor Kaspar König, Museum Ludwig

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Thema: KUULT, Projekt

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